Botulinum während der Schwangerschaft?

Eine wichtige Frage, mit der Frauen zunehmend konfrontiert sind, nicht zuletzt wegen des fortgeschrittenen Alters, in dem sie heutzutage oft erst ihren Kinderwunsch verwirklichen. Eine Überschneidung von Schwangerschaft und aus ästhetischen Gründen gewünschter Behandlung mit Botulinum läßt sich deshalb oft nicht vermeiden.

Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetische Botulinum-Therapie e.V. beschäftigte sich eingehend mit den vorliegenden Studien- und Falldaten und veröffentlichte in 2017 eine Fachantwort zum Thema. Diese wird nachfolgend in Auszügen wiedergegeben:

"2004 wurde der erste Fallbericht über eine Botulinuminjektion während der Schwangerschaft veröffentlicht (3). Mittlerweile gibt es zahlreiche Fallberichte bei unterschiedlichsten Indikationen, unterschiedlichen Dosen und unterschiedlich weit fortgeschrittenen Schwangerschaften. Hierbei gibt es viele Fälle, bei denen die Schwangerschaft zum Zeitpunkt der Behandlung mit Botulinum noch nicht bekannt war, es existieren jedoch auch Fälle, bei denen Botulinum ganz bewusst als sanfteste Therapieoption gewählt wurde. 

Die Gemeinsamkeit aller publizierten Fallberichte ist, dass es keine Botulinum-assoziierten Nebenwirkungen in den Schwangerschaften gab und gesunde Kinder entbunden werden konnten. 

Eine große, 24 Jahre umfassende, retrospektive klinische Studie hat 574 Schwangerschaften ausgewertet, während derer oder innerhalb von 3 Monaten vor Konzeption Botulinum appliziert wurden. Die Daten wurden der weltweiten Allergan Safety Datenbank entnommen. Die Studie zeigte, dass schwangere Botulinum-exponierte Mütter keine höhere Fehlbildungs- oder Abortrate hatten als solche ohne Botulinum Exposition. Eine Befragung von Ärzten in den USA hinsichtlich des Einsatzes von Botulinum in der Schwangerschaft ergab, dass 12 von 396 Ärzten schwangeren Frauen Botulinum gespritzt hatten, teilweise unter Kenntnis der Schwangerschaft, teilweise unwissentlich. Es kam bei den 16 betroffenen Frauen zu keinerlei Fehlbildungen.

Die Empfehlungen in den Produktinformationen der gängigen Präparate besagen, dass Botulinum in der Schwangerschaft nur dann angewendet werden darf, wenn es eindeutig erforderlich ist. Es liegen keine hinreichenden Daten über die Anwendung von Botulinum bei schwangeren Frauen vor. Ein Hersteller geht sogar soweit, dass das besagte Präparat bei Frauen im gebärfähigen Alter bei fehlender Verhütung nur bei zwingender Indikation angewendet werfen darf. Es ist zudem laut Produktinformation nicht bekannt, ob Botulinum in die Muttermilch übergeht. Aufgrund der fehlenden systemischen Wirkung und der geringen angewandten Dosis erscheint dies jedoch sehr unwahrscheinlich.

Eine generelle Empfehlung bezüglich der Anwendung von Botulinum in der Schwangerschaft kann nicht gegeben werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetische Botulinumtoxin-Therapie rät von einer Behandlung in Schwangerschaft und Stillzeit aus Sicherheitsgründen ab." 


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