Botox für Männer?

Alter, hormonelle Veränderungen, Sonnenlicht und zivilisationsbedingte Einflüsse wie Rauchen oder einseitige Ernährung machen die Haut empfindlich und weniger elastisch. Das wiederum trägt früher oder später zur Bildung von Linien und Falten bei. Männer sind davon ebenso betroffen wie Frauen. Zumal die Haut eines erwachsenen Mannes durch die tägliche Rasur ohnehin einer ständigen Belastung ausgesetzt ist. Wie bei Frauen auch verringert sich mit fortschreitendem Alter der Gehalt an Hyaluronsäure in der Männerhaut. Hyaluronsäure ist im menschlichen Körper ein zentraler Faktor für die Bindung von Wasser. Ein Rückgang des Hyaluronsäuregehalts ist gleichbedeutend mit weniger Durchfeuchtung des Gewebes und führt zu Volumensverlust. Die entsprechende Hautpartie wirkt trocken und „eingefallen“. Verstärkt wird dieser Vorgang durch den altersbedingten Rückgang von Fettdepots im Gesicht sowie eine mehr oder minder ausgeprägte Veränderung der Knochenstruktur. Und last but not least trägt auch die Schwerkraft ihren Teil dazu bei, dass die Gesichtshaut „nach unten rutscht“ und schlaff aussieht.

Was für Frauen seit jeher ein Thema war, zumal in unserer westlichen Gesellschaft, in der ihnen permanent ein Spiegel aus Jugend- und Schönheitsidealen vorgehalten wird, ist dank der minimal-invasiven Methoden der modernen ästhetischen Medizin auch zunehmend ins Blickfeld der Männer gerückt. Denn obwohl es für Männer nach traditionellen Maßstäben nicht so wichtig scheint, „schön“ zu sein, beweisen neuere Studien immer wieder, dass ein attraktives Äußeres auch für Männer im Privatleben und im Beruf einen entscheidenden Faktor darstellt. So kommt eine Studie aus 2011 unter anderem zum Ergebnis, dass attraktive Menschen nicht nur weniger arbeitslos sind, als an sich gleich qualifizierte Kollegen, sie verdienen im Durchschnitt auch deutlich mehr. Ist das gerecht? Offenkundig nicht. Gleichzeitig ist es aber heute keine große Sache mehr, unattraktiv oder gar negativ wahrgenommene Merkmale seines Erscheinungsbilds in ihrer Wirkung abzumildern oder gar ganz zum Verschwinden zu bringen.

So war zum Beispiel einer meiner allerersten Botox-Patienten (nicht abgebildet) ein Mann mit ausgeprägter „Zornesfalte“. Er war Mitte 40, seine Gesichtsmuskulatur war wuchtig und offenbar sehr stark. In seine Glabella, der Gesichtsregion oberhalb der Nasenwurzel zwischen den Augenbrauen, hatte sich in Jahrzehnten konzentrierter Arbeit vor dem Computer eine dicke Furche eingegraben, die selbst im entspannten Zustand deutlich sichtbar war. Sie verlieh seinem Gesichtsausdruck etwas unfreundliches, wenig einladendes. Und darunter litt dieser Patient sehr. Umso mehr, als er seit geraumer Zeit arbeitslos war und trotz oftmaliger Einladungen zu Jobinterviews offenbar nicht in der Lage, seine Bewerbungen erfolgreich zum Abschluss zu bringen.  Alles Mögliche hatte er bereits versucht, begonnen, Bücher über Körpersprache und „non-verbale Kommunikation“ zu lesen. Doch geholfen hat es nichts. Nach einer eingehenden Untersuchung beschlossen wir, zunächst auf die Beseitigung der Zornesfalte mittels Botox zu setzen. Seinem Gesichtsausdruck hätte zudem ein 8-Point-Lift nach Mauricio de Maio gut getan, denn einerseits fehlte seinen Wangen Volumen und andererseits bildeten die nach unten drückenden Hautpartien unterhalb des Jochbeins eine merklich ausgeprägte Nasolabialfalte. Doch von einer Fillerbehandlung schreckte dieser Patient zunächst zurück, aus einer fast schon kindlichen Angst vor Nadeln und Injektionen jeglicher Art. Schon die 5 Einstiche in der Glabellaregion im Zuge der Botox-Behandlung bereiteten ihm gehörigen Stress.

Es bedurfte allerdings 2 Sitzungen und einer deutlich höheren Dosis als der üblichen 20 Allerganeinheiten, um den kräftigen Muskel zu inaktivieren und die Ausbildung der Zornesfalte zu unterbinden. Aber dann war es tatsächlich geschafft, sein Gesichtsausdruck wirkte jetzt deutlich entspannter und wesentlich einladender. Und es mag Zufall sein, aber einige Wochen später klappte es auch in der Jobsuche: Er hatte ein Bewerbungsgespräch erfolgreich bestanden und einen attraktiven Job gelandet.

Mittlerweile konnte er sich übrigens auch zu dem empfohlenen 8-Point-Lift durchringen. Seine Wangen sind jetzt deutlich fülliger, die Nasolabialfalten sind merklich weniger prägnant. Zu seiner großen Überraschung hielten sich die Schmerzen in kleinem Rahmen, dank Vorbehandlung mit anäthesierender Salbe und Einsatz von Juvéderm-Fillern mit Lidocain.

In meiner bisherigen Laufbahn war dieser Fall ein echtes Highlight, denn diesem Mann wurde wirklich geholfen. In einer misslichen persönlichen Lage, die ihn an den Rand der Verzweiflung gebracht hatte. Oft genug heißt es ja, kosmetische Behandlungen dienten nur der Eitelkeit und seien medizinisch unnötig. Es ginge doch nur um Äußerlichkeiten! Und das stimmt auch. Aber wenn sich die Äußerlichkeiten auf den beruflichen Erfolg auswirken? Und damit über kurz oder lang auch das persönliche Wohlbefinden? Männer mögen es noch nicht ganz verinnerlicht haben, aber wir Frauen wissen es nur allzu gut, dass der Unterschied zwischen „attraktiv“ und „unattraktiv“ wesentlich weiter reicht, als das eigene Spiegelbild. Wie schon gesagt: Das muss man nicht gut finden und im Grunde ist es höchst ungerecht. Aber gleichzeitig sind die Möglichkeiten, die Mann und Frau heutzutage offenstehen, um sein äußeres Erscheinungsbild zu optimieren, so einfach wie noch nie. 


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